Living Bach

EIN FILM VON ANNA SCHMIDT

Dokumentation // Deutschland 2023
54 Minuten MDR/ARTE // 114 Minuten Kino
Für alle Altersgruppen geeignet.
Kinostart: 30.11.2023

Auszeichnungen für den Film Living Bach
  • REGIE & DREHBUCH: Anna Schmidt
  • PRODUCER: schmidtFilm, Departures Film (Co-Producer)
  • KAMERA: Axel Schneppat
  • SCHNITT: Martin Schröder

LIVING BACH ist eine Produktion von schmidtFilm in Co-Produktion mit Departures Film und Mitteldeutscher Rundfunk (MDR), in Kooperation mit ARTE und Unterstützung der Mitteldeutsche Medienförderung (MDM), Deutscher Filmförderfonds (DFFF) und Sächsische Landesanstalt für privaten Rundfunk und neue Medien (SLM).

  • Vertrieb: Weltkino
  • Vertrieb weltweit: EuroArts.

Weltweit gibt es über 300 Bachchöre und Bachensembles, in denen meist Laien musizieren. Für viele ist ihr Leben untrennbar mit der Musik von Johann Sebastian Bach verbunden.

Was suchen und finden Menschen in seiner Musik? Was verbindet sie über Kontinente hinweg? Welche Faszination steckt in der Musik des berühmten deutschen Komponisten, die es schafft, Grenzen, Kulturen, Religionen und Jahrhunderte zu überwinden?

Der Film begibt sich auf eine Reise durch sechs Kontinente, um Amateurmusiker:innen und -sänger:innen zu treffen, die Bach zu ihrem „Herzstück“ gemacht haben. Sie leben in Japan, Paraguay, den USA, Malaysia, Südafrika, Australien, der Schweiz, haben verschiedene Kulturen, Religionen, Lebensrealitäten und doch eint sie alle eine große Leidenschaft: Johann Sebastian Bach.

LIVING BACH spürt diese Enthusiast:innen auf und offenbart außergewöhnliche, aufregende und lebensverändernde Beziehungen zu Bachs unvergleichlichem Werk. Wir begegnen Menschen, denen Bachs Musik Freude, Trost, Hoffnung oder Verständnis bringt. Unabhängig von Kultur, Herkunft und Vermögensverhältnissen eint sie alle ein nahezu identischer Wertekatalog. Es sind starke, interessante und vielschichtige Charaktere, die keine Klischees bedienen. Sie integrieren kulturelle Einflüsse, ohne ihre eigenen zu verleugnen. Im Juni 2022 begegnen sich die Protagonist:innen beim weltweit größten Bachfest in Leipzig.

„Living Bach“ ist ein sorgfältig komponierter Film aus sehr unterschiedlichen Stimmen, die sich am Ende zu einem Klang vereinen und etwas erzeugen, das der Menschheit gerade so oft fehlt – nämlich Gemeinschaft, jenseits von Sprache, Herkunft, Geschlecht, Religion und Kultur, sozialem Status. Der Film verwebt die modernen Geschichten der verschiedenen Menschen aus allen Teilen der Welt und zeigt, dass Diversität nicht trennt, sondern eine Stärke ist.  Mit eindrucksvollen Bildern und den magischen Klängen Bachs wird die Reise zu einem einzigartigen Werk auf der Suche nach Bachs universellem Geheimnis.

Ein Film über Menschen, Werte und Kulturen – und die Musik und Magie Johann Sebastian Bachs, die rund um den Globus wirkt.

Anmerkung der Regisseurin

Immer wieder habe ich die verbindende Kraft von Bachs Musik erlebt. Musik, die Menschen aufrüttelt, die ihnen den Glauben gibt, auch wenn sie ihn längst verloren haben. Musik, die Hoffnung verbreitet und Freude bringt.

Aber nicht nur Berufsmusiker werden von Bach bewegt. Überall auf der Welt hören Menschen Bach, singen Bach, spielen Bach in ihrer Freizeit – mehr oder weniger gut. Aber alle mit großer Begeisterung. Egal, welchen Beruf sie ausüben, egal, welchen Glaubens sie sind. Das habe ich bei den Dreharbeiten zu LIVING BACH erlebt.

Als ich hörte, dass das renommierte Leipziger Bachfest über 300 Bach-Ensembles aus aller Welt eingeladen hatte, um an Bachs Original-Wirkungsstätten aufzutreten, war ich hin und weg. Mir war nicht bewusst, dass es so viele Bach-Chöre und -Ensembles gibt und dass Menschen auf allen Kontinenten mit großer Hingabe Bach singen oder spielen.

Und so reiste ich ein Jahr lang um die Welt, besuchte Paraguay, die Schweiz, Südafrika, die USA, Japan, Australien, Malaysia und natürlich das Bachfest in Leipzig, verbrachte viel Zeit mit meinen Protagonisten, den Chor- oder Ensemblemitgliedern, und tauchte in die Kultur der jeweiligen Länder ein. Ich war überrascht zu sehen, dass viele junge Menschen Bach singen, spielen und hören. Ich war fasziniert davon, wie lebendig dieser alte deutsche Komponist für sie ist und war erstaunt zu hören, wie unterschiedlich die Bedeutung seiner Musik für jeden Einzelnen ist. Für Thabang Modise, der im südafrikanischen Township Soweto lebt und sich mit seinem Cousin ein zehn Quadratmeter großes Zimmer teilt, ist Bach eindeutig politisch. Er sagt, dass es keine Rassendiskriminierung mehr gäbe, wenn jeder Bach hören, singen oder spielen würde, und er erklärt dies mit der Art und Weise, wie die Stimmen in Bachs Musik behandelt werden. Obwohl Menschen muslimischen Glaubens in Malaysia für das Spielen von Bachs geistlichen Werken ins Gefängnis kommen können, spielt Lee Hai Lin sie mit ihren „Wicked Music People“ weiter. Denn sie findet die Musik so schön, dass sie sie mit anderen teilen muss. Sie führen es in Lagerhäusern im Hafen von Penang oder in ihrem Café auf. Ich war erstaunt, dass die Aborigines im Roten Zentrum Australiens Bach kennen oder dass der Chorleiter der „Sociedad Bach del Paraguay“ entschlossen ist, ein Bach-Festival zu gründen, weil – wie er sagt – der Kontinent Bachs Botschaft der Hoffnung, der Solidarität und des Glaubens braucht. Im Jahr 2023 war er erfolgreich und organisierte das erste Bach-Festival in Südamerika. Bianca Porcheddu hat nach den verheerenden Waldbränden in Australien am eigenen Leib erfahren, dass Bach Resilienz lehrt und Wege aus der Einsamkeit zeigt.

Immer wieder hörte ich Sätze wie: „Für mich gibt es nichts Vergleichbares zu Bach. Er ist ein Hoffnungsschimmer in einer unruhigen Welt. Wir brauchen ihn. Jeder braucht ihn.“ David Chin aus Malaysia sagte mir: „Ich liebe Bach. Er ist mein Freund. Ich habe wirklich das Gefühl, dass seine Musik direkt zu mir spricht, einem chinesischen Malaysier, der im 21. Jahrhundert lebt.“

Die Begegnung der Protagonisten auf dem Bachfest 2022 in Leipzig war bewegend. Vom ersten Ton an hatten sie alle eine besondere Verbindung zueinander und eine gemeinsame Sprache, nämlich Bach. Wir haben gemeinsam eine spannende, bewegende Woche erlebt, in der wir viel voneinander gelernt haben. Alle werden beim Bachfest 2024 wieder dabei sein, denn wie sagte Lin so schön beim Abschlusskonzert in der Thomaskirche: „Ich glaube, es ist hier nicht zu Ende. Das ist erst der Anfang.“

Mein Film ist ein emotionaler Film. Kein Film, der belehrt oder informiert. Es ist ein Film, der das Herz anspricht, der eine positive, lebensbejahende Energie ausstrahlt, der die Menschen mitreißt und zeigt, dass es mehr gibt, was die Menschen auf der Welt verbindet, als was sie trennt.

Ich wollte, dass es ein Film ist, der Hoffnung gibt, weil er zeigt, dass viele Menschen auf der Welt etwas gemeinsam haben: ihre Liebe zur Musik, die sie verbindet. Und wir alle brauchen in diesen Zeiten Hoffnung.